1378(km) – Das DDR-Grenzspiel

Gestern Abend um 23 Uhr wurde das kontrovers diskutierte Serious Game 1378(km) von Jens Stober, Medienstudent an der Hochschule Karlsruhe, präsentiert und auf der offiziellen Webseite zum Download bereitgestellt. Ob es sich beim DDR-Grenzspiel 1378(km) nun um einen Ego-Shooter am Todesstreifen oder ein Kunstprojekt mit interaktivem Zugang zur jüngsten deutschen Geschichte handelt, möchte ich nicht beurteilen ohne es selbst ausprobiert zu haben. Nach der bisherigen Berichterstattung kann ich jedoch die Argmumente beider Seiten durchaus nachvollziehen.

Der Entwickler Jens Stober selbst sagt über das Spiel folgendes

Im Computerspiel habe ich – anders als beispielweise in einem Dokumentarfilm – selbst die Kontrolle über mein Verhalten und meine Reaktionen auf in Echtzeit stattfindende und sich verändernde Situationen. Das Spiel 1378(km) zwingt in der Rolle des „Grenzsoldaten“ nicht, „Flüchtlinge“ zu erschießen. Es lässt Wahlmöglichkeiten. Gewinnen kann man bei 1378(km) nur, wenn man nicht schießt. Die Regeln des Spiels sind von der innerdeutschen Grenzsituation inspiriert. Grenzanlagen, Todesstreifen und Schießbefehl machen die Brutalität des Spiels aus. Dass sich Opfer der Todesgrenze oder deren Angehörige verletzt fühlen, bedauere ich zutiefst. Es war keineswegs meine Absicht jemanden zu verletzen.

Die Ursprünglich für den 3. Oktober 2010 geplante Veröffentlichung wurde aufgrund massiver Kritik von Opfern, Poltikern und Presse bis gestern abend verschoben, da eine sachliche Diskussion scheinbar nicht möglich war. Scheinbar wurde das Spiel in der letzten Nacht bereits mehrfach heruntergeladen so dass nun erstmal neue Mirrors eingerichtet werden. Ebenso ist der Zugriff auf die Gameserver durch die hohe Auslastung derzeit erschwert.

Bei 1378(km) handelt es sich übrigens nicht um ein eigenständiges Spiel, sondern um eine kostenlose Modifikation von „Half-life 2: Deathmatch“. Demzufolge wird ein Steam Account mit dem Spiel „Half-Life2:Deathmatch“ benötigt um das Grenzspiel auszuprobieren.

Die Definition von Serious Games (Quelle: Wikipedia)

Unter Serious Games (englisch für ernsthafte Spiele) versteht man digitale Spiele, die nicht primär oder ausschließlich der Unterhaltung dienen, wohl aber derartige Elemente zwingend enthalten. Gemein haben Serious Games – sowie auch Lernspiele – das Anliegen Information und Bildung zu vermitteln; dies sollte in einem möglichst ausgeglichenen Verhältnis zu Unterhaltungsaspekten geschehen. Ein authentisches und glaubwürdiges, aber auch unterhaltendes Lernerlebnis steht im Mittelpunkt des Interesses, Genre, Technologie, Plattform und Zielgruppe variieren hingegen. Eine formale Abgrenzung zu reinen Unterhaltungsspielen ist nur schwerlich möglich, da immer die Art und Weise der Verwendung durch den Konsumenten entscheidend für das Erfüllen dieser Kriterien ist.

Abschließend noch der Trailer zu 1378(km)

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